frei


Mut

Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst. 

von Kristin und Natalie


Im Film „Plötzlich Prinzessin“, ist Mia ein ganz normales Mädchen, das nicht gerade zu den beliebtesten in ihrer Schule gehört. Die Jungs ignorieren sie, von den Mädchen wird sie verspottet, sie lässt kaum ein Fettnäpfchen aus und ihr heimlicher Schwarm hat nur Augen für die perfekt gestylte Lana.
Niemand schenkt ihr besondere Beachtung – bis zu dem Tag, an dem sie aus heiterem Himmel eine unglaubliche Nachricht erhält: Sie ist die Prinzessin und Thronfolgerin des Landes Genovien!
Ihre Großmutter ist eigens angereist, um ihr diese Botschaft zu überbringen und aus dem etwas trampeligen Teenager eine würdige Nachfolgerin zu machen.
Aber Mia verliert schnell den Mut angesichts der vielen Veränderungen, Erwartungen und Herausforderungen, die mit dem Titel auf sie einstürmen. Sie will zurück in ihre vertraute Rolle, nicht gesehen zu werden, unsichtbar zu sein.
In einer vermeintlich großen Geste will sie auf den Thron und ihr Recht verzichten und in ihr früheres Leben zurückkehren. Doch genau in diesem Moment findet sie einen Brief, den ihr ihr verstorbener Vater vor seinem Tod geschrieben hat. Seine Worte helfen ihr, ihre Angst einzuordnen und eine Entscheidung zu treffen. Ihr Vater schreibt:
„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst. Die Tapferen leben vielleicht nicht ewig, doch die Ängstlichen leben überhaupt nicht. Von jetzt an wirst du auf dem schmalen Grad zwischen dem wandeln, wofür du dich hältst und dem, was du sein könntest. Doch das gelingt nur, wenn du diesen Weg gehst und dich dieser Frage stellst.“ (Zitat nach Eleanor Roosevelt aus dem Film „Plötzlich Prinzessin“).
Mia entscheidet sich, ihrer Berufung zu folgen und den Platz einzunehmen, der für sie vorgesehen ist. Jetzt ist sie wirklich eine Prinzessin!
Wie siehst du dich? Was denkst du über dich selbst? Dein Aussehen? Deine Fähigkeiten? Deine Art, zu reden? Was ist deine Berufung?
Hast du schon mal Gott gefragt, wie er dich sieht? Wer du in seinen Augen bist? Was er sieht und denkt, wenn er dich ansiehst?
Es lohnt sich, Gottes Antwort aufzuschreiben. Wenn du dir nicht sicher bist, ob das was du gehört hast tatsächlich von Gott ist, dann kannst du folgende Fragen als Hilfe verwenden:
Führt der Gedanke, den ich aufschreibe, ins Leben und in die Freiheit oder macht er mich klein?
Schreibe nur auf, was ins Leben führt. Denn: Gottes Gedanken über dich sind liebevoll und voller Hoffnung! Gott will dir eine gute Zukunft schenken!
 

Himmelspfützen

Gott lädt mein Herz ein, sich zu erinnern, dass da mehr ist, als ich mit den Augen sehen kann.


von Katja


Es war noch hell, als ich mit dem Hund die Runde durchs Feld antrat. Wenn man überhaupt von Helligkeit sprechen konnte, denn den ganzen Tag war der Himmel verhangen gewesen; einer jener regnerischen Dezembertage, an denen man schon früh am Nachmittag das Licht anschalten musste.
Die Wolken wälzten sich träge über mir dahin, umkreisten unschlüssig die Hügel und hinterließen eine trübe Stimmung. Einzelne Wolkenfetzen blieben in den Wipfeln der Fichten kleben wie Zuckerwatte an Kinderfingern auf dem Weihnachtsmarkt.
Hier im Feld war vom vorweihnachtlichen Trubel gar nichts zu spüren, lediglich die nahe Landstraße schickte dann und wann das Zischen von eiligen Autoreifen auf nasser Fahrbahn in meine Richtung. Ich war ganz froh, dem blinkenden, werbenden, lauten Rummel und dem Vorbereitungsstress mit allen 
To-do-Listen, Telefonaten und Pflichtfeiern kurzzeitig entronnen zu sein.

Der Feldweg war uneben und übersät mit Pfützen, so suchte ich mir slalomlaufend meinen Weg; der Hund trottete mal neben mir, mal blieb er zurück. Es regnete nicht mehr, und die Wolkendecke begann aufzureißen. Warme Goldtöne am Himmel kündigten nun den Abend an, die grauen Wolken wurden von Westen her rosa angehaucht. Mein Blick fiel auf eine der Pfützen. Dort, zu meinen Füßen, hatte ich ein exaktes Spiegelbild des Himmels. Dieselbe Weite, die ich über mir sah, nahm ich nun auch als endlose Tiefe in der glatten Wasseroberfläche wahr. Es verlieh dem Feldweg mit einem Mal den Anschein, als sei er übersät mit Löchern, Abgründen, Untiefen...

Ich musste lächeln. Als Kind hatte ich schon darüber gestaunt. Wie oft hatte ich an Regentagen in Gummistiefeln vor einer Pfütze gestanden und minutenlang in ihre Tiefe gestarrt, mir ausmalend, wie es wäre, in dieses Himmel- Loch zu springen, bis ich tatsächlich Herzklopfen bekam!
Mit einer Freundin zusammen machte ich ein Spiel daraus. Wir dachten uns Geschichten aus, Abenteuer, Gefahren, die uns zwangen, in diese vermeintliche Untiefe zu springen. Und wir sprangen! Mit einem Aufschrei und unter großem Gespritze und Gelächter, weil es uns gelungen war, einer harmlosen Pfütze mindestens einen Fünfmeterbrett-Nervenkitzel und ein Abenteuer zu entlocken.

Immer noch stand ich vor der Pfütze, der Hund zog ungeduldig an der Leine. Mein Blick folgte dem Verlauf des Weges, überall leuchtete mir der Himmel entgegen. Ich ging wie auf einer löcherigen Brücke weiter, über mir und unter mir der Himmel, umgeben von Tiefe und Ruhe.
In einem Augenblick nur war das Bild gekippt, ein heiliger Moment aufgeblitzt und eine neue Perspektive entstanden, die neben der Erinnerung tief in mir noch etwas anderes anrührte: das Ahnen, dass meine Sicht auf das Alltägliche um mich herum sehr begrenzt ist. 
Gott lädt mein Herz ein, sich zu erinnern, dass da mehr ist, als ich mit den Augen sehen kann. Dass seine Welt hinter dem Vorhang des Sichtbaren noch viel weiter geht als ich ahnen kann. „ Ich bin da. Dein Herz weiß darum, aber Du vergisst es oft... was Du erlebst, ist nur die eine Seite der Medaille. Ich sehe das ganze Bild. Vertrau mir...“

Als Kind fiel mir der Perspektivwechsel nicht schwer, ich habe sogar ein Spiel daraus gemacht. Heute wünsche ich mir wieder mehr solche Augenblicke, die meine Wahrnehmung hinterfragen und mein starres Bild von dem, was ich zu sehen glaube, mal auf den Kopf stellen. „Weil du die Augen offen hast, glaubst du, du siehst!“ formulierte Goethe treffend. 
Ich möchte neu mit Gott rechnen und ihn nach seinem Blickwinkel fragen, mein Herz offen halten für den Glauben an das Unmögliche.
Vielleicht entpuppen sich dann manche Abgründe in meinem Leben, um die ich immer einen Bogen gemacht habe, in Wahrheit nur als Pfützen, in denen sich der Himmel spiegelt.